Story Telling

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Warum ist Storytelling wichtig?

Kennen Sie die „für Dummies“-Buchreihe – oder Guido Knopps Dokumentation im ZDF (zumeist „irgendwas mit Diktator“, Geschichte der Deutschen etc.)? Warum sind beide Reihen so erfolgreich, obwohl es zumeist um schnöde Sachthemen geht?

Genau: Aufgrund des Storytelling!

Wir Menschen haben schon immer Geschichten geliebt. Schon die Bibel, der Talmud und der Koran arbeiten mit Gleichnissen, Analogien und Erzählungen. Schlicht und ergreifend deshalb, weil Geschichten besser im Kopf bleiben.

Man könnte einem Kind natürlich sagen, dass es nicht alleine in den Wald gehen soll. Es ist dort gefährlich. Ebenso könnte man auch die Geschichte von Hänsel und Gretel erzählen; wie diese sich im Wald verirren und nur knapp der bösen Hexe schlussendlich entkommen können. Was wird sich wohl Ihr Kind besser merken? Die „langweilige“ Predigt „gehe nicht alleine in den Wald“, oder eher „Oh Gott, ich darf nicht alleine in den Wald – sonst geht es mir wie Hänsel und Gretel“?

Grundsätzlich ist das beim Erwachsenen nicht anders, nur das unsere „Märchengeschichten“ ausgefeilter und (oft) realitätsnaher sind.

Was heißt das für den Vortragenden?

Betrachten Sie ihr Thema: Was sind die Kernaussagen? Was muss auf jeden Fall rüberkommen? Wie lässt sich das gut vortragen, sodass es auch in den Köpfen bleibt.

Nehmen wir für einen Moment an, Sie referieren als Fitnesscoach über die Gefahren von Fehlstellungen beim Hanteltraining. Sie möchten dass Ihre Zuhörer lernen, wie man auf diese achtet, korrigiert und in Zukunft vermeidet. Sie könnten dies nun trocken vortragen und manchen an seine Schul- oder Studienzeit erinnern, als man als Bankdrücker seine Zeit bei einem „langweiligen Professor“ abgesessen hat. Mit etwas Glück merkt sich der ein oder andere Teilnehmer sogar was Sie gesagt haben.

Sie können alternativ auch Storytelling betreiben. Da es unwahrscheinlich (und auch nicht zielführend) ist dass Sie bei Erwachsenen das zu Lehrende als Märchen verpacken können, müssen Sie den trockenen Stoff etwas „auflockern“. Sie müssen die intensiven Sachphasen (in denen der Zuhörer konzentriert aufpassen muss) immer wieder mit „Entspannungsphasen“ abwechseln. So können Sie diese bei der Stange halten, obwohl Sie weiterhin eine Art Frontalunterricht halten.

Ein Instrument dafür kennen Sie wahrscheinlich schon aus der Unizeit:

  1. These
  2. Argument
  3. Beispiel

Der klassische Aufbau einer Schulerörterung. Mit diesem Muster wird normalerweise in der Schule ein Pro- oder Contraargument aufgebaut, besprochen und bewertet. Für unsere Zwecke hier ist das perfekt geeignet, um ein Webinar aufzulockern und Storytelling zu betreiben, leicht abgewandelt:

  1. Problem
  2. Lösung
  3. Beispiel

Ausdifferenziert mit „Auflockerungen“ und für einen besseren Erzählfluss, wird hieraus:

  1. Problem – Anekdote
  2. Problem – Erklärung
  3. Lösung – Erklärung
  4. Lösung- Anekdote

Warum dieser Aufbau? Das hat zwei Gründe:

  1. Zuhörer fesseln, Aufmerksamkeit erhöhen: Haken auswerfen, Ködern, Fangen – Unter dem Begriff „Hook, Bait and Reel“ versteht man im Pickup (hier: Datingindustrie) den Mechanismus, bei dem man im Gegenüber Interesse weckt, ködert und (möglichst) von sich überzeugt. Abgewandelt auf Ihr Webinar heißt das, dass Sie einen Haken mit einem Köder vorbereiten und auswerfen, der Ihre Zuhörer neugierig auf mehr macht und Ihnen deren Aufmerksamkeit sichert – und wer aufmerksamer ist, behält mehr vom Inhalt.
  2. Emotional berühren: Ihre Anekdoten sind Beispiele aus der Praxis, mit welchen sich Ihre Zuhörer identifizieren können. Ob diese im Einzelfall wirklich wahr sind ist nebensächlich. Wichtig ist, dass ein durch Anekdoten vom Problem überzeugter Zuhörer die Lösung weitaus besser verstehen und aufnehmen wird als ohne. Um beim Fitnessbeispiel zu bleiben: Einige Bilder und Krankenaktenanektoden eines (anonymisierten) Gewichthebers der beim Hanteltraining falsch trainierte überzeugt weitaus mehr als trockene Fakten. Die Personalisierung des Problems in Form des Gewichthebers ist eine traurige Geschichte – aber eben eine Geschichte. Man kann sich damit identifizieren, in die Person hineinversetzen und behält mehr vom Erzählten, da die eigenen Emotionen berührt werden.

Ist das der allein selig machende Aufbau? Natürlich nicht. Es ist eine Möglichkeit, um den eigenen Vortrag mit Storytelling aufzulockern und Struktur zu geben. Es gibt Vorträge, die kann man quasi komplett in Metaphern abhandeln – andere, z.B. über die chemischen Reaktionen bei Knallgasentwicklungen, müssen mit weniger Auflockerndem auskommen. Das liegt teils in der Natur der Thematik. Das sollte aber kein Grund sein, KEIN Storytelling zu betreiben. Jedes noch so trockene Thema kann dadurch greifbarer gemacht werden.

Zum Abschluss ein kurzes Beispiel (oha, Storytelling!) eines Versicherungsvertreters beim Kunden. Fragen Sie sich selbst, welche der beiden Varianten kommt beim Kunden besser an, wenn es darum geht für das Kind eine Unfallversicherung abzuschließen?

  1. „Mit der Unfallplus XBP 2000F ist Ihr Kind im Invaliditätsfall abgesichert und bekommt über die Erwerbsminderungsrente im schlimmsten Falle betrachtet immer noch 1200€ Unfallrente, falls ihrem Racker etwas zustößt.“ Oder:
  1. „Was das Wohl ihres Kindes angeht…Mal ehrlich, wer betritt zuerst die Straße: Sie, oder der Kinderwagen?“

Entscheiden Sie selbst.